Das schlichte Porträt einer Braut mit großer Wirkung

In diesem besonderen Beitrag möchten wir dich auf eine Reise in die Kunstgeschichte mitnehmen, dabei unser Wissen mit dir teilen. Im Anschluss wirst du den einen oder anderen Tipp bei deinen Bildern anwenden können und damit die Kunden ins Staunen versetzen.

Wir haben uns für ein Foto entschieden, welches bei einem exklusiven Workshop im Schloss Biebrich entstand. Wir lieben die Räumlichkeiten dort – kein Wunder, dass das Schloss zu den beliebtesten Standesämtern gehört. Die hohen Fenster, das sanfte Licht und dann noch die romantische Geschichte…

Übrigens zum  Üben vom sogenannten da Vinci Licht ist es eifach perfekt.

Folgende Idee steckte hinter der Aufnahme: Das Bild (rechts in der Ecke) sollte mit in die Komposition rein fließen, dabei Spannung aufbauen und gleichzeitig für einen ausgewogenen Bildaufbau sorgen.

Kameraeinstellungen: ISO 640, Verschl. 1/200, Blende 4

Um die Aufgabe zu bewältigen taten wir folgendes – Bildaufbau und Komposition:

  1. Unsere Aufnahme ist optisch in knapp 2 Hälften geteilt: linke Seite gehört der Braut, während der rechte Bereich von der geheimnisvollen Dame im Gemälde beansprucht wird.
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  2. Hinter der Braut kannst du eine Tür erkennen. Der Wechsel von Licht und Schatten im Türrahmen, verleiht dem Foto eine räumliche Tiefe. WICHTIG: Die Braut nicht in der Mitte der Tür platzieren – das würde zu statisch oder gestellt wirken.
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  3. Um beim Bildaufbau gleichzeitig für Balance und Harmonie zu sorgen, verwenden wir gerne folgende Technik der Ausgewogenheit – übrigens meisterlich eingesetzt vom erfolgreichen französischen Maler William-Adolphe Bouguereau.

    Es geht darum, Gegensätze reinzubringen:

    • Eine Frau im Rahmen, die andere “fällt” aus dem Rahmen heraus.
    • Das gleiche Prinzip findest du in den Händen – während die eine sie im Schoß zart zusammen faltet (eine geschloßene Pose), öffnet unsere Braut ihre Arme und positioniert sie getrennt, das ergibt eine offene Pose.
    • Die Augen der Dame im Gemälde sind geschlossen, die unserer Braut leuchten im zarten Blau! Der blaue Ton findet sich auch im Gemälde.
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  4. Um die Komposition auszubalancieren, spiegelten wir die Körperhaltung der Braut.
    Warum? Schau genauer hin: während ihre Köpfe sich beinahe in der Bildmitte treffen, verläuft der Rest vom Oberkörper jeweils in eine andere Ecke vom Bild, damit bilden sie gemeinsam einen optischen Dreieck – das verleiht dem Bild seine Harmonie.
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  5. Beim Porträtieren achten wir ganz besonders auf die Position der Ellbogen – hier gibt es eine goldene Regel:
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    Mindestens eine Person im Bild, sollte ihren Ellbogen zum Betrachter drehen.
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    WARUM? Weil du mit dem Ellbogen eine Art Spontanität erzeugst, als ob die Person gerade dabei war sich zu drehen, an dir vorbei zu gehen oder sie wurde mitten in ihrer Bewegung von dir eingefangen. Im komplett frontalen Aufbau, mit beiden Ellbogen nach Hinten gebeugt – bekommst du das genaue Gegenteil: eine gestellte Körperhaltung, welche in gekonnter Inszenierung herausfordernd wirken kann. In unserem Fall, hält die Dame im Gemälde bereits ihren Ellbogen nach vorn.
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  6. Die beiden Kerzen stehen leicht versetzt vor einander und durchkreuzen, in verschiedenen Höhen, das Gemälde.

Licht setzen wie Leonardo da Vinci:

Wer kennt sie nicht, die berühmte Mona Lisa im Herzen von Louvre in Paris, gemalt von keinem anderen als Leonardo da Vinci. Mit seinen Werken schaffte es da Vinci in den Kreis der ewig lebenden Künstler, kein einfaches Ziel weder damals noch heute!

Über Leonardo da Vince findest du hier im Blog einen extra Beitrag, zusammen mit unserer Buchempfehlung.

Doch fassen wir es mal kurz hier zusammen:

  1. Um das da Vinci Licht zu kreieren brauchst du nichts weiter als ein Fenster mit Tageslicht.
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  2. Positioniere deine Person seitlich zum Fenster oder zu einer Terrassentür. Der Oberkörper zeigt entweder frontal zu dir oder zur Raummitte, den Kopf  leicht zum Fenster gedreht
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    MERKE: Körper in den Schatten, das Gesicht Richtung Licht!
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  3. Das Licht fällt von oben links durch das Fenster auf das Gesicht unserer schönen Braut. Du erkennst es vor allem auf ihrer Stirn und in ihrer rechten Schulter (von dir aus gesehen). Der dabei entstandene Schatten am Nasenrücken, auf ihrer Wange, am Hals, im Dekolleté, auf ihren Armen und nicht zu vergessen im Kleid – unterstützt die 3-dimensionale Wirkung und verleiht gleichzeitig eine gewisse Anmut.
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  4. WICHTIG: Um den Effekt zu verstärken, einfach das Kinn sanft nach unten ziehen und Voilà  – dein Foto wird zum wahren Kunstwerk.
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  5. Oben an der Decke befindet sich ein Kronleuchter, wir haben ihn eingeschaltet damit er das Gemälde im Hintergrund in sanftes warmes Licht taucht. Dabei sieht es so aus als seien die Kerzen auf dem Flügel dafür verantwortlich.

 

Wird eine solch besondere Kenntnis von Kunden geschätzt? Natürlich! Denn genau das macht den großen Unterschied zwischen üblichem Handwerk und Kunst aus – das Wissen!

Weiterer Tipp von uns: Bitte deine Braut auf 3 die Luft durch ihre offenen Lippen zu holen – das füllt zum einen ihr Dekolleté und zum anderen wirken die Lippen auf diese Art schön weich und sinnlich.

Kameraeinstellungen: ISO 640, Verschl. 1/200, Blende 4

Das gleiche im Großformat…

Die meisten unserer Paare räumen 20-40 Minuten Zeit für das Brautpaarshooting ein, im Schnitt sind es also knapp 30 Minuten. Mehr nicht? Nein, mehr brauchen wir auch nicht. Schließlich sind Hochzeiten schöne Familienfeste und kein Ort zum Portfolioaufbau eines Fotografen.

Das ist übrigens einer der Punkte, warum Brautpaare uns buchen, sie müssen an ihrem Hochzeitstag nicht arbeiten.

Sicherlich möchtest du wissen, wie uns die wenige Zeit überhaupt reichen kann, um solche Bilder entstehen zu lassen. Das ist im Grunde ziemlich  einfach – die komplette Hochzeitsreportage über arbeiten wir nach dem 3-Szenenaufbau.

Genannt: Totale – Aktion – Close up 

Was soviel bedeutet wie:

  1. Als erstes entsteht eine Aufnahme, welche nach Möglichkeit einen großen Einblick in die gesamte Szene gewährt – mit einem Weitwinkelobjektiv von 24mm oder 35mm geht das am einfachsten.
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  2. Es folgt ein Ganzkörper- oder Halbportrait >  näher ran mit einem 35mm oder Wechsel auf 50mm Objektiv
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  3. Zum Schluss ein Halbportrait oder Porträt > Objektiv 50mm oder 85mm

 

Unser Tipp: Bei der Wahl der Objektive orientieren wir uns nach der Raumgröße! 

Möchtest du wissen, wie genau das abläuft? Dann melde dich zu einem unserer Masterclass an, dort besprechen und üben wir es mit der gesamten Gruppe sehr intensiv. Alle Termine findest du hier: MASTERCLASS TERMINE

 

Doch zurück zum Bild auf dem Klavier

Natürlich ist bei so einem Foto in der Totale auch das schwarze Klavier sehr präsent, dabei sollte der Flügel immer noch nur eine Nebenrolle spielen und nicht das Hauptmotiv darstellen. Aus diesem Grund platzierten wir den Schleier zusammen mit dem Brautstrauß auf den Klavierhocker, gleichzeitig wird das schwarz in dieser Bildebene aufgelockert.

  1. Die lange Schleppe vom Brautkleid liegt in der linken Ecke vom Bild, etwas durcheinander drapiert und rückt damit in den Hintergrund, anstatt dem oberen Bereich vom Kleid und dem fließenden Tüll mit seinen Stickereien, die Show zu stehlen.
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  2. Während die untere Bildhälfte stark von der Braut, dem Klavier, Kerzen, Blumen und dem Gemälde an der Wand – stark beansprucht wird, bleibt die obere Hälfte frei und lässt den Raum “atmen”.
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  3. Links und rechst ist das Bild beschnitten: Links der schwere Vorhang, mit ihm verleihen wir dem Foto eine Schlüssellochperspektive – genau wie es Jan Vermeer in seinen Werken meisterlich einsetzte. Der Anschnitt auf der rechten Seite unterstützt das 3-Dimensionale im Bild und lädt gleichzeitig den Betrachter zur Interpretation ein.

 

WICHTIG: Um deinen Bildern mehr Perspektive und räumliche Tiefe zu verleihen, solltest du auf den Verlauf der Linien achten. Das macht einen enormen Unterschied aus und ist super schnell umgesetzt. 

 

Dies war ein kleiner Einblick in unsere Arbeit – auch wenn es auf den ersten Blick kompliziert erscheint, dauerte es doch keine 5 Minuten, um diese Bildidee zu inszenieren und sie fotografisch umzusetzen. Es ist wirklich einfach, solange du weißt was zu tun ist. Und der Kunde? Nun, gerade von solchen Aufnahmen sind sie restlos begeistert und nicht nur das – sie wissen es auch zu schätzen.

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Deine Christina und Eduard
Wedding Photographer

 

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MASTERCLASS TERMINE Hochzeitsfotografie und Boudoir

Kameraeinstellungen: ISO 640, Verschl. 1/200, Blende 4

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