…und dieses Wissen in deine Arbeit aufzunehmen.

Kunst wurde schon immer mehr geschätzt und besser entlohnt als Handwerk. Es ist kein Geheimnis, dass ein erfolgreicher Künstler mehr verdient als der beste Handwerker. Dabei sehen wir Fotografie als Kunst, denn auch wir “malen” mit Licht, anstatt mit Farbe.

Vor knapp 2 Jahren kamen wir an einen Punkt: Fotografie als Handwerk beherrschen wir soweit. Wie sollte es nun weiter gehen? Wohin möchten wir marschieren und was können wir in unsere Arbeit einbauen, um ihren Wert weiter zu steigern, ihr eine deutlich sichtbare Signatur zu verleihen? Wie der Zufall es wollte, ein Kunstbuch für 3€ zeigte uns die Richtung: den Weg in die Kunstgeschichte.

Warum waren manche Maler erfolgreicher als andere und das ohne sozialen Netzwerke im Internet? Aus welchem Grund gingen sie in die Geschichte ein? Ihre Werke sind von unschätzbarem Wert!

Was macht einen erfolgreichen Fotografen aus? Die Anzahl der Likes auf Instagram? Nein, wohl kaum…

Es ist sein Wissen über die Kunst! Ein schönes Bild entsteht nicht zufällig. Angefangen bei der Bildkomposition und damit meinen wir nicht nur den goldenen Schnitt, nein. Der Goldene Schnitt dient als schnell zu merkendes Prinzip und hilft jedem Neuling beim Einstieg in die Fotografie.

Was wir meinen, geht weit darüber hinaus, dieses Wissen nutzen wir bei jeder Hochzeitsreportage und teilen es mit anderen Kollegen bei unseren Masterclasses. Einen kleinen Einblick zum Kunst-Anwenden in der Fotografie findest du in diesem Beitrag.

 

Ein schlicht wirkendes Porträt einer Braut

Bei dieser, auf den ersten Blick, einfachen Variante des Brautporträts steckt ein komplexes Wissen aus der Kunstgeschichte dahinter. Was genau wir alles bei diesem Bild beachtet haben, teilen wir gerne mit dir.

Das Foto entstand beim letzen Hochzeitsfotografie Masterclass im Schloss Biebrich, mit warmen Farben und hohen Fenstern eignet sich die Location ideal unter anderem zum Üben vom sogenannten da Vinci Licht.

Die Idee war: das Bild (recht in der Ecke) in der Komposition zu spiegeln, dabei Spannung aufbauen und doch gleichzeitig für Ausgewogenheit zu sorgen.

Bildaufbau und Komposition:

  1. Das Bild ist optisch in knapp 2 Hälften geteilt: linke Seite gehört der Braut, während der rechte Bereich von der geheimnisvollen Dame im Gemälde beansprucht wird. Um der Komposition mehr Spannung zu verleihen, wird das Gemälde am Bildrand angeschnitten, was dem Betrachter mehr Raum für Interpretationen bietet.
  2. Hinter der Braut kannst du eine Tür erkennen. Durch das Vorhandensein von Licht und Schatten im Türrahmen, gibt sie dem Foto eine räumliche Tiefe. WICHTIG: die Braut nicht in der Mitte der Tür platzieren – das würde zu statisch (gestellt) wirken. Die Türklinke verleiht dem Ganzen sogar ein kleines Geheimnis – was verbirgt sich wohl dahinter?
  3. Um beim Bildaufbau gleichzeitig für Balance und Harmonie zu sorgen verwenden wir gerne folgende Technik der Ausgewogenheit – übrigens meisterlich eingesetzt vom erfolgreichen französischen Maler William-Adolphe Bouguereau.
    Es geht darum, Gegensätze reinzubringen: 
    • eine Frau IM Rahmen, die andere “fällt” aus dem Rahmen raus.
    • Das selbe Prinzip findest du in deren Händen – bei der einen liegen sie gefaltet im Schoß (eine geschloßene Pose) bei der anderen sind die Hände getrennt positioniert, ergibt eine offene Pose.
    • Während die Augen der einen geschlossen sind, leuchten die der Braut im zarten Blau! Der blaue Ton findet sich auch im Gemälde, bei der Bildbearbeitung wurde dies sogar noch zusätzlich betont…
  4. Um die Komposition auszubalancieren, spiegelten wir die Körperhaltung der Braut. Warum? Schau genauer hin: während ihre Köpfe sich beinahe in der Bildmitte treffen, verläuft der Rest vom Oberkörper jeweils in eine andere Ecke vom Bild, sie bilden gemeinsam ein Dreieck. Das verleiht dem Foto mehr Harmonie und Ruhe. Maler wie Leonardo da Vinci oder Raffael – beherrschten diese Technik wie kaum ein anderer und wurden von erfolgreichsten Fotografen regelrecht kopiert. Warum also auch nicht du?
  5. Beim Porträtieren achten wir ganz besonders auf die Position der Ellbogen, das haben wir von Frans Hals gelernt: mindestens eine Person im Bild, darf ihren Ellbogen zum Betrachter drehen.
    WARUM? Weil du mit dem Ellbogen eine Art Spontanität erzeugst, als ob die Person gerade dabei war sich zu drehen, an dir vorbei zu gehen oder sie wurde mitten in ihrer Bewegung von dir eingefangen. Im komplett frontalen Aufbau, mit beiden Ellbogen nach Hinten gebeugt – bekommst du das genaue Gegenteil: eine gestellte, statische Körperhaltung – welche, in gekonnter Inszenierung herausfordernd wirken kann.
  6. Die beiden Kerzen stehen leicht versetzt vor einander und durchkreuzen, in verschiedenen Höhen, das Gemälde. Die äußere Kerze ist angeschnitten, genau wie das Bild – was für unser Auge bedeutet: es geht weiter…

Licht setzen wie Leonardo da Vinci:

Wer kennt sie nicht, die berühmte Mona Lisa im Herzen von Louvre in Paris, gemalt von keinem anderen als Leonardo da Vinci. Mit seinen Werken schaffte es da Vinci in den Kreis der ewig lebenden Künstler, kein einfaches Ziel weder damals noch heute!

Über Leonardo da Vince findest du hier im Blog einen extra Beitrag, zusammen mit unserer Buchempfehlung.

Doch fassen wir es mal kurz hier zusammen:

  1. Um das da Vinci Licht zu kreieren brauchst du nichts weiter als ein höheres Fenster mit Tageslicht. Das ist einer der Gründe, warum wir beschlossen haben unsere Marketing Strategie nach den schönen Hotels, Herrenhäusern und Schlössern auszurichten – all diese Locations verfügen über viele hohe Fenster und die Architekten haben extrem auf ausreichende Tageslichtmenge geachtet.
  2. Positioniere deine Person seitlich zu einem Fenster oder zu einer Terrassentür. Der Oberkörper zeigt entweder frontal zu dir oder zur Raummitte, dabei dreht sich der Kopf der Portraitierten leicht zum Fenster > Richtung Licht!
  3. Das Licht fällt von oben links durch das Fenster nach unten auf unsere Braut. Du erkennst es vor allem auf ihrer Stirn und in ihrer rechten Schulter (von dir aus gesehen). Der entstandene Schatten im Nasenrücken, auf ihrer Wange, am Hals, im Dekolleté, auf ihren Armen und nicht zu vergessen im Kleid – unterstützt die 3-dimensionale Wirkung und verleiht gleichzeitig eine gewisse Anmut.
  4. WICHTIG: Um den Effekt zu verstärken, einfach das Kinn sanft nach unten ziehen und Voilà  – in deinem Foto erscheint das Werk eines der erfolgreichsten Maler aller Zeiten und macht es zu einem wahren Gemälde.
  5. Oben an der Decke befindet sich ein Kronleuchter, wir haben ihn eingeschaltet damit er das Gemälde im Hintergrund in sanftes warmes Licht taucht. Dabei sieht es so aus als seien die Kerzen auf dem Flügel dafür verantwortlich.

Wird eine solch besondere Kenntnis von Kunden geschätzt? Natürlich! Denke an den Unterschied zwischen Handwerk und Kunst.

Weiterer Tipp von uns: Bitte deine Bräute darum auf 3, Luft durch die offenen Lippen zu holen – das füllt zum einen ihr Dekolleté, hebt es höher und zum anderen lässt dies ihre Lippen weicher, sinnlicher wirken.

Das gleiche im Großformat…

Die meisten unserer Paare räumen 20-40 Minuten Zeit für das Brautpaarshooting ein, im Schnitt sind es also knapp 30 Minuten. Mehr nicht? Nein, mehr Zeit steht uns eher selten zur Verfügung. Hochzeiten sind Familienfeste zum Feiern und kein Ort zum Portfolioaufbau für Fotografen.

Das ist übrigens einer der Punkte, warum Brautpaare uns buchen, sie müssen an ihrem Hochzeitstag nicht arbeiten…

Jetzt möchtest du sicherlich wissen, wie uns die wenige Zeit überhaupt reichen kann. Ganz einfach – wir arbeiten nach einem 3-Szenenaufbau aus Hollywoodfilmen:

Totale – Aktion – Close up

  1. Zunächst ein Foto, welches möglichst einen großen Einblick in die Szene gewährt > mit Weitwinkelobjektiv
  2. Es folgt ein Ganzkörper- oder Halbportrait, jedoch ohne die Abbildung vom Raum > etwa mit einem 50mm Objektiv
  3. Zum Schluss ein Halbportrait oder Porträt > Objektiv 50mm oder 85mm

Tipp: Bei der Wahl der Objektive orientieren wir uns nach der Raumgröße! 

Doch zurück zum Bild auf dem Klavier:

Natürlich ist ein Foto in der Totale mi dem schwarzen Flügel wichtig, dabei sollte er immer noch eine Nebenrolle spielen und nicht das Hauptmotiv darstellen. Aus diesem Grund platzierten wir den Schleier zusammen mit dem Brautstrauß auf den Klavierhocker, gleichzeitig wird das schwarz in dieser Bildebene aufgelockert.

  1. Die lange Schleppe vom Brautkleid liegt in der linken Ecke vom Bild, etwas durcheinander drapiert und rückt damit in den Hintergrund, anstatt dem oberen Bereich vom Kleid und dem fließenden Tüll mit seinen Stickereien, die Show zu stehlen.
  2. Während die untere Bildhälfte stark von der Braut, dem Flügel, Kerzen, Blumen und dem Gemälde an der Wand – stark beansprucht wird, bleibt die obere Hälfte frei und lässt den Raum “atmen”.
  3. Links wie auch rechst ist das Bild beschnitten: Links der schwere Vorhang, mit ihm verleihen wir dem Foto eine Schlüssellochperspektive – genau wie es Jan Vermeer in seinen Werken meisterlich einsetze. Der Anschnitt auf der rechten Seite unterstützt das 3-Dimensionale im Bild und lädt gleichzeitig den Betrachter zur Interpretation ein.

WICHTIG: Um deinen Bildern mehr Perspektive und räumliche Tiefe zu verleihen, solltest du auf den Verlauf der Linien achten. Das macht einen enormen Unterschied aus und ist auch noch schnell umgesetzt. 

Dies war ein kleiner Einblick in unsere Arbeit – auch wenn es auf den ersten Blick kompliziert erscheint, dauerte es keine 5 Minuten, um diese Bildidee zu inszenieren und sie fotografisch umzusetzen. Es ist wirklich einfach, solange du weißt was zu tun ist. Und der Kunde? Nun, sie sind von solche Aufnahmen restlos begeistert und nicht nur das – sie wissen es auch zu schätzen.

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Deine Christina und Eduard
Wedding Photographer

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